S. Fischer Verlag verlegt Hauptsitz nach Berlin
Nach dem Wegzug von Suhrkamp im Jahr 2010 zieht nun auch der S. Fischer Verlag seinen Hauptsitz von Frankfurt am Main nach Berlin. Der Umzug ist für den Sommer des kommenden Jahres geplant und markiert gleichzeitig eine Rückkehr an den ursprünglichen Gründungsort. Laut Verlagsangaben dient dieser Schritt der strategischen Neuausrichtung für die Zukunft. Bereits heute arbeiten die Programmleitungen in Berlin. Zukünftig sollen dort zentrale verlegerische und marktorientierte Abteilungen wie Geschäftsführung, Marketing, Vertrieb sowie Presse und Veranstaltungen gebündelt werden. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse zu verkürzen und die Zusammenarbeit zwischen Programm und Vermarktung zu intensivieren.
Der Verlag betont, dass die Entscheidung nicht als Abkehr von Frankfurt zu verstehen sei. Das Frankfurter Lektorat sowie die kaufmännischen Abteilungen bleiben weiterhin am Standort. Verlagsleiter Oliver Vogel erklärte in einem Interview mit der FAZ, dass der Umzug als Investition und nicht als Sparmaßnahme zu verstehen sei, ausdrücklich ohne den Zweck von Personalabbau. Dennoch stellt der Wechsel für die Mitarbeitenden eine bedeutende Veränderung dar. Der Verlag beabsichtigt, allen Beschäftigten Angebote für einen Wechsel nach Berlin zu unterbreiten. Vogel rechnet damit, dass in einigen Jahren deutlich weniger Mitarbeiter in Frankfurt tätig sein werden.
Ein weiterer Standortwechsel steht innerhalb der Fischer-Gruppe an: Der Kinder- und Jugendbuchverlag Fischer Sauerländer zieht im Januar nach München. Als Gründe werden Wachstum, ein enges Branchen-Netzwerk sowie die Möglichkeit genannt, einen stärker auf Kinder- und Jugendbücher ausgerichteten Vertrieb aufzubauen.
Self-Publishing: Aktuelle Zahlen und Trends
Eine Umfrage des Selfpublisherverbands deutet darauf hin, dass der Professionalisierungsgrad im Self-Publishing zurückgehen könnte. Demnach können oder wollen elf Prozent der befragten Autorinnen und Autoren ihre Werke keinem bestimmten Genre zuordnen. Rund 80 Prozent der Self-Publisher verdienen weniger als 200 Euro monatlich mit ihren Veröffentlichungen, während weniger als sieben Prozent monatlich 2.500 Euro oder mehr erzielen. Etwa 40 Prozent der professionellen Autoren veröffentlichen sowohl im Self-Publishing als auch über Verlage (hybride Autoren). Hauptgründe für die Wahl des Self-Publishings sind vor allem die kreative Kontrolle und bessere Verdienstmöglichkeiten.
Die Mehrheit der professionellen Self-Publisher ist im Bereich Liebesromane oder Romance tätig und veröffentlicht bevorzugt Reihen oder Serien. Nur ein Drittel der Profis investiert mehr als 2.000 Euro pro Buchveröffentlichung, was bedeutet, dass zwei Drittel bei Lektorat oder professionellem Coverdesign sparen. Die meisten Bücher werden im Preisbereich von drei bis fünf Euro angeboten, wobei das E-Book als bevorzugter Vertriebskanal dominiert.
Buchhandel: Neuerungen in Bremen und Berlin
Golden Shop in Bremen reagiert auf Ausschluss
Die Buchhandlung Golden Shop in Bremen hat ihre Fassade neu gestaltet, wie unter anderem die taz berichtete. Dies ist eine ironische Reaktion auf den Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. An der Ladenfront wurde eine große Stoffplane mit Zitaten Weimers angebracht, darunter Aussagen wie „Das Konventionelle ist die neue Avantgarde“ und „Das ist überhaupt nicht als Kulturkampf gedacht“. Das Schaufenster wurde ebenfalls umdekoriert und zeigt Weimers eigene Bücher, darunter auch Lyrik, die jedoch ausschließlich zu Dekorationszwecken ausgestellt sind und nicht verkauft werden. Die Inhaberin Ausma Zvidrina kommentierte gegenüber der taz: „So einen Scheiß verkaufen wir nicht.“
Weimer hatte zuvor die Fassade des Ladens öffentlich als Beleg für vermeintlich extremistische Ansichten herangezogen, um den Ausschluss zu rechtfertigen. Ein Gerichtsurteil stellte inzwischen klar, dass Weimer Buchhändler nicht als Extremisten bezeichnen darf. Beweise für seine Behauptungen sowie eine Entschuldigung stehen weiterhin aus.
Eröffnung eines Romance-Buchladens in Berlin
Ende Mai eröffnete in Berlin-Schöneberg der Buchladen „The Naughty Chapter“, spezialisiert auf Romance- und New-Adult-Literatur. Initiatorin ist Maxi Schwabe, die als Quereinsteigerin vor drei Jahren in New York die Idee zu einem solchen Laden entwickelte. Auf etwa 50 Quadratmetern bietet das Geschäft ein Sortiment aus Liebesromanen und New-Adult-Titeln. Schwabe erwarb sich Branchenwissen unter anderem durch einen Workshop beim Großhändler Libri und mit Unterstützung der Verbundgruppe eBuch.
Verlagsbeteiligungen und Logistik
Ravensburger erwirbt Mehrheitsanteil an Steiff
Die Ravensburger AG hat eine Mehrheitsbeteiligung am Traditionsunternehmen Steiff übernommen und steigt als strategischer Investor ein. Steiff soll weiterhin eigenständig bleiben und am Standort Giengen an der Brenz geführt werden. Verkäufer ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft der Erben von Margarete Steiff. Von Seiten Steiffs wurde betont, dass es wichtig war, das Unternehmen in verantwortungsvolle Hände zu geben, die die Werte und die Geschichte respektieren. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.
Libri setzt auf Elektromobilität in der Logistik
Libri stellt den Fernstreckenbetrieb seines Bücherwagendienstes BOOXpress sukzessive auf Elektro-Lkw um. Der Start erfolgt ab Bad Hersfeld in Richtung Dortmund, Hannover, Bremen und München. Die Reichweite der Fahrzeuge beträgt laut Libri etwa 550 Kilometer. Das Laden erfolgt sowohl unterwegs an öffentlichen Ladestationen als auch am Standort mit eigener Infrastruktur. In Dortmund wird zudem ein Testlauf durchgeführt, bei dem Buchhandlungen im Nahverkehr mit Elektro-Transportern beliefert werden. Bei Erfolg sollen ähnliche Modelle an weiteren Umschlagpunkten geprüft werden.
Buchhandlung Schmetz am Dom feiert 75-jähriges Jubiläum
Die Buchhandlung Schmetz am Dom in Aachen beging ihr 75-jähriges Bestehen mit einer Feier am vergangenen Samstag. Gegründet wurde das Geschäft Anfang der 1950er Jahre von Karl Schmetz. In den 1990er Jahren übernahmen Barbara Hoppe-Vennen und Walter Vennen die Leitung. Zum Jahreswechsel stieß Marcel Emonds-Pool als Geschäftsführer hinzu. Im Rahmen des Jubiläums las Walter Vennen stündlich vor der Buchhandlung kurze Texte zum Thema Buchhandel und Bücherleben, passend zur Veranstaltungsreihe „Wort sucht Ort“.
Börsenverein: Regionale Beschlüsse und IGUV-Tagung
Am 15. Juni fand in Wiesbaden eine Sitzung der Mitglieder des Börsenvereins Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland statt. Dabei wurde Lothar Wekel zum Geschäftsführer bestellt. Die Mitgliederversammlung beschloss eine neue Fördermaßnahme für Veranstaltungen unabhängiger Buchhandlungen und Verlage, für die der Landesverband 270.000 Euro aus dem Vereinsvermögen bereitstellt. Zudem wurde einstimmig ein Initiativantrag zur Prüfung verbesserter Rahmenbedingungen im Schulbuchgeschäft in Rheinland-Pfalz angenommen.
Bei der Jahrestagung der Interessengemeinschaft Unabhängige Verlage (IGUV) Anfang Juni in Frankfurt am Main diskutierten rund 70 Teilnehmende, wie kleine Verlage ihre Sichtbarkeit erhöhen können. Eine Umfrage unter Kleinverlagen ergab, dass in knapp 60 Prozent der Häuser nur ein bis zwei Personen beschäftigt sind und viele für das laufende Jahr stabile oder rückläufige Umsätze erwarten. Die Gespräche konzentrierten sich auf den Handel, Einkaufs- und Remissionsprozesse sowie den Informationsbedarf von Buchhandlungen. Börsenverein-Vorsteher Sebastian Guggolz ermutigte die Unabhängigen mit den Worten: „Bleibt vehement, lasst Euch nicht einschüchtern.“ Berichte zu beiden Veranstaltungen sind auf boersenblatt.net verfügbar.
Rechtliche Entscheidung zu KI-generierten Inhalten bei Google
Zwei deutsche Verlage erzielten vor dem Landgericht München einen Erfolg gegen Google. Gegenstand war die Darstellung von Verlagen in KI-generierten Texten innerhalb der Google-Suche, in denen diese fälschlicherweise mit Betrugsmaschen und unseriösen Geschäftspraktiken in Verbindung gebracht wurden. Die Verlage beantragten eine einstweilige Verfügung. Google argumentierte, kein Unterlassungsanspruch bestehe, da die Inhalte nicht übernommen würden und die Suchmaschine nicht verantwortlich sei.
Das Gericht entschied jedoch, dass auch Unternehmen durch das deutsche Äußerungsrecht geschützt sind. Die KI-Übersichten seien keine bloßen Verlinkungen, sondern eigenständige, Google zurechenbare Inhalte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; Google hat die Möglichkeit zur Berufung.
Leseförderung: Auslaufen des Programms „Lesestart 1-2-3“
Das Programm „Lesestart 1-2-3“ soll zum Jahresende auslaufen und erhält danach keine Förderung mehr durch das Bundesfamilienministerium. Verbände und die Stiftung Lesen kritisieren diese Entscheidung und heben die besondere Reichweite des Programms hervor, das über kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen arbeitet. Das Ministerium verweist darauf, dass Projektförderungen befristet seien und verweist auf andere Initiativen zur frühen Leseförderung.
Kurzmeldungen
- Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur, dotiert mit 25.000 Euro, wurde an die portugiesische Autorin Lídia Jorge für ihr Gesamtwerk verliehen.
- Über 2.300 Kinder und Familien nahmen an Lesungen und Aktionen der Erfurter Kinderbuchtage teil.
- Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Staatsbibliothek zu Berlin mit rund 1,2 Millionen Euro zur Digitalisierung von 10.000 Monografien aus kolonialen Kontexten. Die digitalisierten Werke werden anschließend drei Jahre lang im Open Access verfügbar sein.
- Die Stiftung Buchkunst hat aus etwa 600 Einsendungen 25 Titel als „Schönste Deutsche Bücher“ ausgezeichnet. Die Gewinnerliste ist auf boersenblatt.net einsehbar.





















