In ihrem Buch „Vertraute Nähe“ widmet sich die Literaturwissenschaftlerin Maren Ermisch der tiefen Beziehung des bedeutenden deutschen Schriftstellers Siegfried Lenz zu Schleswig-Holstein. Lenz, der von 1926 bis 2014 lebte, wird oft als einer der einflussreichsten und meistgelesenen Autoren der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur beschrieben. Obwohl er in Lyck, einem kleinen Ort in Ostpreußen, geboren wurde, fand er in Schleswig-Holstein eine zweite Heimat, die seine literarische Arbeit wesentlich prägte. Die Landschaft, das Meer und die dort lebenden Menschen wurden zu zentralen Motiven in vielen seiner Werke.
Ermisch, die seit 2015 an der Hamburger Ausgabe von Lenz’ Werken mitarbeitet, nimmt ihre Leser mit auf eine Reise durch die Lebensstationen des Schriftstellers und beleuchtet sowohl reale als auch fiktive Schauplätze in seinem Schaffen. Anlässlich seines 100. Geburtstags am 17. März 2026 verfolgt sie Lenz’ Spuren in Schleswig-Holstein, beginnend mit seiner ersten Begegnung mit der Region als 14-Jähriger bis zu seinem Tod im Jahr 2014. Die Publikation umfasst fast 75 Jahre seines Lebens und zeigt, wie eng sein persönliches Erleben mit seinen literarischen Themen verbunden ist.
Lenz’ erste Verbindung zu Schleswig-Holstein entstand während seiner Schulzeit. Nach seiner Volksschulausbildung in Lyck wurde er für einen Sonderunterricht nach Kappeln geschickt, was seine erste bewusste Konfrontation mit der Region darstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er in britische Kriegsgefangenschaft geriet, kehrte er nach Deutschland zurück und begann ein Studium an der Universität Hamburg, das er jedoch bald abbrach, um als Journalist zu arbeiten. Seine literarische Karriere begann 1951 mit dem Debütroman „Es waren Habichte in der Luft“.
Die 1950er Jahre markierten einen wichtigen Wendepunkt in Lenz’ Schaffen. Mit Romanen wie „Der Überläufer“ und „Der Mann im Strom“ festigte er seinen Platz in der deutschen Literatur. Sein Durchbruch gelang ihm jedoch mit „Deutschstunde“ im Jahr 1968, einem Werk, das sich mit der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus befasst und in über 20 Sprachen übersetzt wurde. Erhielt er für seine Werke zahlreiche Auszeichnungen, so wurde er auch Ehrenbürger seiner Heimatstädte und des Landes Schleswig-Holstein.
In „Vertraute Nähe“ analysiert Ermisch in sechzehn Kapiteln Lenz’ Lebensstationen und die Schauplätze seiner Erzählungen. Sie ergänzt ihre Ausführungen mit zahlreichen Textauszügen sowie persönlichen Anekdoten des Autors. Ein besonders prägnantes Beispiel ist seine Beschreibung als Dolmetscher einer britischen Entlassungskommission im Sommer 1945. Diese Erlebnisse und Erinnerungen flossen häufig in seine Werke ein, wo die schleswig-holsteinische Landschaft nicht nur als Kulisse, sondern als integraler Bestandteil der Handlung fungiert.
Die Natur Schleswig-Holsteins und das Meer hatten einen tiefgreifenden Einfluss auf Lenz’ literarisches Schaffen. So beschreibt er in „Deutschstunde“ die Umgebung mit einer solchen Detailgenauigkeit, dass sie fast selbst zu einem Charakter in der Geschichte wird. Auch seine Sommeraufenthalte auf der dänischen Insel Als, wo er in einem Ferienhaus lebte, und seine Ausflüge zum Fischen an der Flensburger Förde, sind häufige Inspirationsquellen für seine Erzählungen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von Lenz’ Leben war die enge Partnerschaft mit seiner Frau Liselotte, die nicht nur seine Muse, sondern auch seine größte Unterstützerin war. Sie spielte eine entscheidende Rolle in seinem literarischen Schaffen, indem sie ihm als erste Leserin, Kritikerin und Vertraute zur Seite stand. Ihre kreative Zusammenarbeit umfasste auch eigene literarische Projekte, die sie mit von Lenz’ Texten begleiteten Illustrationen bereicherte.
Lenz’ Zeit in Schleswig-Holstein war auch von einer tiefen Freundschaft mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt geprägt. Diese Verbindung führte zu einem regen Austausch über literarische und gesellschaftliche Themen, wobei auch die Ehefrauen der beiden Männer eine wichtige Rolle in der gegenseitigen Unterstützung spielten.
Maren Ermischs Buch stellt nicht nur Lenz’ literarische Entwicklung dar, sondern bietet auch einen intimen Einblick in sein Leben und seine Beziehungen. Durch die Kombination von persönlichen Fotografien und literarischen Auszügen gelingt es ihr, ein lebendiges Bild





