In ihrem neuesten Werk „Bread of Angels“ gewährt Patti Smith, die 79-jährige Ikone der Musik- und Literaturszene, einen tiefen Einblick in ihr bewegtes Leben. Dieses Buch ist mehr als nur ein autobiografisches Dokument; es ist eine künstlerische Erzählung, die von den Höhen und Tiefen ihres Daseins geprägt ist. Smith reflektiert über ihre Kindheit, Jugend und ihr Erwachsenenleben und verbindet dabei persönliche Erinnerungen mit aktuellen Gedanken.
Die Autorin beschreibt eindrucksvoll ihre unruhige Jugend, die von häufigen Umzügen und gesundheitlichen Herausforderungen geprägt war. Sie blickt zurück auf ihre Entwicklung als Punk- und Rocksängerin, ihre Auftritte und die Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten der 1960er und 70er Jahre. Smith nennt zahlreiche Künstler, Dichter und Musiker, mit denen sie in Kontakt stand, ohne dass dies den Eindruck von „name dropping“ erweckt. Vielmehr vermittelt sie das Gefühl, Teil einer amerikanischen Gegenkultur zu sein, die sich gegen die Kommerzialisierung ihrer Kunst auflehnt. Diese Bewegung, in der sie sich bewegte, war geprägt von Aufbruchstimmung und Kreativität.
Smiths Beziehungen zu vielen legendären Figuren, wie dem Fotografen Robert Mapplethorpe, dem Schriftsteller William Burroughs und dem Dramatiker Sam Shepard, sind zentrale Elemente ihrer Erzählung. Ihre tiefe Verbindung zu Mapplethorpe, der in den 1990er Jahren an AIDS starb, wird besonders berührend geschildert. Die Autorin beschreibt, wie sie in seinen letzten Stunden an seinem Bett saß und den Schmerz des Verlustes erlebte. Smith reflektiert auch über die Liebe zu ihrem verstorbenen Mann Fred Smith, der eine prägende Rolle in ihrem Leben spielte. Diese Beziehung führte dazu, dass sie sich von der großen Bühne zurückzog, obwohl sie in den 70er Jahren große Erfolge gefeiert hatte. Der Augenblick, in dem sie Fred zum ersten Mal sah, war für sie entscheidend; sie wusste sofort, dass er der richtige Partner für sie war.
Die Erzählungen sind für Leser, die sich mit der Gegenkultur der 60er und 70er Jahre identifizieren, besonders ansprechend. Jedoch gibt es auch kritische Stimmen zur literarischen Qualität des Buches. Einige Passagen wirken stilistisch uneinheitlich und es fallen immer wieder Bilder und Metaphern auf, die eher als kitschig wahrgenommen werden können. Insbesondere ihre Neigung zur Spiritualität führt dazu, dass die verwendeten Bilder oft etwas verzerrt erscheinen. So beschreibt sie beispielsweise, wie sie während der Abmischung eines ihrer berühmtesten Lieder von einer „seltsamen Wolke umhüllt“ war und sich an einen Ort sehnte, der fast mythisch anmutet.
Im Verlauf des Buches wird deutlich, dass die Sprache Smiths sowohl Stärken als auch Schwächen aufweist. Während die ersten Kapitel eine klare chronologische Struktur haben, weichen die letzten Abschnitte von dieser Form ab und erscheinen eher wie eine Sammlung von Gedanken und Erfahrungen. Im Kapitel mit dem Titel „Vagabondia“ fließen ihre neuesten Gedanken und Visionen zusammen, in denen sie das Thema des Loslassens behandelt. Sie ermutigt die Leser, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und sich von der Vergangenheit zu befreien, um Raum für Neues zu schaffen.
Die wiederkehrenden Bilder von Natur, Emotionen und Spiritualität verleihen dem Text eine poetische Note, die jedoch auch Fragen aufwirft. Zum Beispiel beschreibt sie, wie „die Gefühle gefaltet wie Flaggen“ beiseitegelegt werden, was zur Verwirrung führen kann. Die Metaphern sind oft tiefgründig, doch nicht immer nachvollziehbar.
Insgesamt ist „Bread of Angels“ ein faszinierendes, wenn auch nicht fehlerfreies Zeugnis eines außergewöhnlichen Lebens. Smiths Erzählung ist ein bewegender und authentischer Rückblick, der sowohl persönliche als auch universelle Themen anspricht. Es bleibt abzuwarten, wie dieses Werk in der literarischen Landschaft aufgenommen wird, aber es ist unbestreitbar, dass Patti Smiths Stimme immer noch stark und einflussreich ist.





