Anne Michaels, die kanadische Autorin und Lyrikerin, hat mit ihrem neuen Roman „Zeitpfade“ ein faszinierendes literarisches Werk geschaffen, das die Leser auf eine bemerkenswerte Reise durch Raum und Zeit mitnimmt. Seit ihrem Debüt „Fluchtstücke“ im Jahr 1996 hat Michaels sich einen Namen gemacht, indem sie komplexe Themen wie Liebe, Erinnerung und die Dualität von Körper und Seele behandelt. In „Zeitpfade“ spielt sie erneut mit diesen Motiven und präsentiert eine Familiensaga, die sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckt und in fragmentarischer Form erzählt wird.
Der Mann, der Wunder vollbringen konnte und Der Maschinenmensch von Ardathia / Der Todesstaub / Der Gesandte der Aliens von H.G. Wells, Francis Flagg, Arthur Leo Zagat, Malcolm Jameson
Die Titel-Geschichte ist ein Beispiel für die große zeitgenössische Fantasy.Sie stellt als Fantasy-Prämisse (einen Zauberer mit enormer, praktisch unbegrenzter magischer Kraft) nicht in eine exotische, halbmittelalterliche Kulisse, sondern in den tristen Routinealltag des Londoner Vorstadtlebens, die dem Autor Wells selbst sehr vertraut ist.
In einem englischen Wirtshaus behauptet George McWhirter Fotheringay während einer Auseinandersetzungenergisch die Unmöglichkeit von Wundern. Zur Demonstration lässt Fotheringay zu seinem eigenen Erstaunen eine Öllampe kopfüber brennen. Seine Bekannten halten es für einen Trick und lehnen seine Vorführung schnell ab.
Fotheringay erforscht nun seine neue Macht. Nachdem er seine täglichen Aufgaben als Büroangestellter auf magische Weise erledigt hat, geht Fotheringay früh in einen Park, um weiter zu üben. Er begegnet einem örtlichen Wachtmeister. In der darauf folgenden Auseinandersetzung schickt Fotheringay den Polizisten unbeabsichtigterweise in den Hades. …
Die Idee der Geschichte diente dem Regisseur Terry Jones als Grundlage für seinen Film Absolutely Anything aus dem Jahr 2015.
Insgesamt vier erstaunliche Geschichten von den großen Pionieren der modernen Science-Fiction-Literatur in neuer Übersetzung, die es wert sind zu lesen.
Liebesbeziehungen und deren Störungen
Um einen Menschen ganz kennenzulernen, ist es notwendig, ihn auch in seinen Liebesbeziehungen zu verstehen … Wir müssen von ihm aussagen können, ob er sich in Angelegenheiten der Liebe richtig oder unrichtig verhält, wir müssen feststellen können, warum er in einem Fall geeignet, im anderen Falle ungeeignet ist oder sein würde.
Wenn man außerdem bedenkt, dass von der Lösung des Liebes- und Eheproblems vielleicht der größte Teil des menschlichen Glücks abhängig ist, wird uns sofort klar, dass wir eine Summe der allerschwerstwiegenden Fragen vor uns haben, die den Gegenstand dieses Buches bilden.
Das grausige Hobby von Sir Joseph Londe
„Was für einen Unfug wollen Sie von mir?“, fragte Daniel – vergeblich versuchte er, sich aufzusetzen.
„Nur um einen Blick auf Ihr Gehirn zu werfen“, war die angenehme Antwort.
„Mein – mein was?“ Daniel keuchte.
„Ihr Gehirn“, wiederholte der andere, nahm eines der Messer aus der Schachtel und untersuchte es kritisch. „Übrigens, Sie wissen natürlich, wer ich bin? Ich bin Sir Joseph Londe, der größte Chirurg der Welt. Ich habe mehr Operationen durchgeführt, als es Sterne am Himmel gibt. Leider wurde eines Tages ein kleiner Teil meines Gehirns rot. … Solange ich diesen kleinen Teil des roten Gehirns nicht ersetzen kann, bin ich verrückt. …. In Sie habe ich jedoch absolutes Vertrauen.“
„Wie wollen Sie an mein Gehirn rankommen?“ Daniel fand die Kraft zu fragen.
„Ich will es natürlich herausschneiden“, erklärte der andere. „Sie brauchen nicht die geringste Angst zu haben. Ich bin der beste Operator der Welt.“
„Und was machen Sie danach mit mir?“
Der Chirurg kicherte.
„Ich begrabe Sie im Steingarten“, antwortete er. „Ich nenne ihn meinen Friedhof. Wenn Sie jetzt so freundlich wären, ganz still zu bleiben …“
Das ist ein kurzer Textausschnitt aus dem Buch, das Spannung und einen besonderen Lesegenuss verspricht.
Der Roman beginnt nicht in einer linearen Erzählweise, sondern setzt an verschiedenen Punkten im Zeitverlauf an. Diese Struktur lässt sich mit einem Puzzle vergleichen, bei dem die Leser die Puzzlestücke selbst zusammensetzen müssen. Jedes der zwölf Kapitel hat seinen eigenen Ausgangspunkt und beleuchtet verschiedene Charaktere, deren Beziehungen und Geschichten erst nach und nach zusammengeführt werden. Diese Fragmentierung und die Verwendung von Leerzeilen zwischen den Prosa-Passagen schaffen eine besondere Leseerfahrung, die das Tempo der Erzählung verlangsamt und den Leser dazu einlädt, über die Bedeutung der einzelnen Teile nachzudenken.
Ein besonders berührendes Element von „Zeitpfade“ ist Michaels‘ poetische Sprache, die oft an die Schönheit von Gedichten erinnert. Ihre Beschreibungen sind tiefgründig und laden dazu ein, über die komplexen Themen, die sie behandelt, nachzudenken. Eine der eindrucksvollsten Passagen beschreibt das Übernatürliche als die Präsenz des Guten, das sich von der Dunkelheit der menschlichen Existenz abhebt. Diese Betrachtungen über die Liebe und die Macht der Erinnerung sind zentrale Themen, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk ziehen.
Der Roman beginnt mit der Figur John, einem englischen Soldaten, der 1917 schwer verwundet auf einem Schlachtfeld in Frankreich liegt. Während er sich an seine große Liebe erinnert, wird deutlich, dass Erinnerungen für ihn eine Flucht aus der grausamen Realität des Krieges darstellen. Sein Verlangen nach einem sanften Tod spiegelt die Sehnsucht nach Frieden und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wider. Diese Thematik entwickelt sich weiter, als John überlebt, aber von den Geistern seiner Vergangenheit gezeichnet ist.
In einem weiteren Kapitel sehen wir ihn zusammen mit seiner Frau Helena, die ein Fotostudio betreiben. Hier wird die Fotografie selbst zum Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens. Die geisterhaften Erscheinungen, die auf ihren Fotos auftauchen, stellen die Frage nach der Grenze zwischen Leben und Tod in den Raum. Michaels nutzt diese Motive, um zu zeigen, wie Erinnerungen und die Versuchung, die Vergangenheit festzuhalten, das Leben der Charaktere beeinflussen.
Die starken Frauenfiguren in „Zeitpfade“ sind ein weiteres bemerkenswertes Merkmal des Romans. Von John’s Frau Helena bis zu ihrer Tochter Anna, die als Krankenschwester im nächsten Weltkrieg dient, wird die Stärke und Resilienz der Frauen durch die Jahrhunderte hindurch eindrucksvoll dargestellt. Selbst Marie Curie, die Physikerin, nimmt in späteren Kapiteln eine mysteriöse Rolle ein und verweist auf die Verbindung zwischen Wissenschaft und Mystik, die Michaels immer wieder thematisiert.
Michaels‘ Auseinandersetzung mit Naturwissenschaften, insbesondere den Theorien von Darwin und den Entdeckungen der Röntgenstrahlen, eröffnet einen philosophischen Diskurs über die Grenzen des Wissens. Die Idee, dass eine lange Belichtung in der Fotografie das Leben in einem Raum unsichtbar machen könnte, verweist auf die Komplexität von Erinnerungen und das, was in unseren Leben verborgen bleibt.
Trotz der vielen Leerstellen und der thematischen Schwere, die der Roman transportiert, strahlt „Zeitpfade“ eine lebendige Kraft aus. Michaels schafft es, durch ihre poetische Sprache und die Verbindung von Raum und Zeit eine dreidimensionale Erzählung zu konstruieren, die den Leser dazu einlädt, immer neue Verbindungen zwischen den Fragmenten zu finden. Nach 14 Jahren Wartezeit auf diesen Roman ist es klar, dass Michaels‘ sorgfältiges und langsames Schreiben sich gelohnt hat. „Zeitpfade“ ist ein Werk, das zum Nachdenken anregt und den Leser auf eine tiefgründige Entdeckungsreise einlädt.