Am 11. Februar 2026 verstarb der renommierte niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom im Alter von 92 Jahren auf seiner geliebten Insel Menorca. Mit seinem Tod verliert die Welt einen der bedeutendsten Literaten der Gegenwartsliteratur, dessen Werk von einer unermüdlichen Neugier und einem tiefen Verständnis für die menschliche Erfahrung geprägt war. Nooteboom wurde am 31. Juli 1933 in Den Haag geboren und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für das Reisen, die sein schriftstellerisches Schaffen maßgeblich beeinflusste. Diese Reiselust führte ihn nicht nur durch Europa, sondern auch in die entferntesten Winkel der Welt und prägte seinen Kosmopolitismus.
In seinem 2023 veröffentlichten Werk „In den Bäumen blühen Steine“ reflektierte Nooteboom über die Verbindung zwischen seinen Gedichten und den Skulpturen des italienischen Künstlers Giuseppe Penone. Dieses Buch ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Kunst, sondern auch ein tiefgründiges Nachdenken über die Natur und ihre elementaren Materialien, insbesondere Steine. Nooteboom fand in der rauen, natürlichen Schönheit Menorcas Inspiration und verband seine poetischen Gedanken mit den visuellen Eindrücken, die ihn umgaben. Diese Verbindung zwischen Natur und Kunst verdeutlicht seine Fähigkeit, in den einfachsten Dingen tiefere Bedeutungen zu erkennen.
Seine Werke thematisieren häufig die Fragilität des Lebens und die Komplexität des menschlichen Daseins. In einer Zeit, in der Europa immer mehr zusammenwächst, wurde Nootebooms Stimme als Schriftsteller und Denker immer relevanter. Seine Erzählungen, darunter bedeutende Romane wie „Allerseelen“, „Rituale“ und „Der Ritter ist gestorben“, wurden in Deutschland besonders geschätzt. Insbesondere der einflussreiche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki trug dazu bei, das Interesse an Nooteboom zu steigern, als er die Qualität seines Schaffens lobte und auf die literarische Vielfalt der Niederlande hinwies.
Trotz seines internationalen Ruhms erlebte Nooteboom in seiner Heimat eine gewisse Ignoranz. Er selbst räumte ein, dass seine Identität als niederländischer Schriftsteller oft nicht in dem Maße gewürdigt wurde, wie er es sich wünschte. „Ich bin und bleibe ein niederländischer Schriftsteller, der auch im eigenen Sprachraum gewürdigt werden will“, sagte er einmal und zeigte damit seine Verbundenheit zu seinen Wurzeln. Diese Ambivalenz zwischen nationaler Identität und internationalem Erfolg war eine zentrale Thematik in seinem Leben und Werk.
Im Laufe der Jahre änderten sich jedoch auch seine Ansichten über Europa. Ursprünglich ein begeisterter Befürworter der Europäischen Union, neigte Nooteboom in seinen späteren Jahren zur Skepsis. In seinen Gedichten thematisierte er zunehmend den Tod und äußerte pessimistische Gedanken zur Zukunft des Kontinents, besonders im Kontext geopolitischer Krisen wie dem Ukraine-Konflikt. Diese düstere Perspektive spiegelte sich in vielen seiner letzten Werke wider und zeugte von einem tiefen Verständnis für die Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht.
Nootebooms literarisches Erbe ist vielfältig und umfasst Prosa, Lyrik und Essays. Seine Werke sind oft von einem philosophischen Ansatz geprägt und laden den Leser ein, über den Sinn des Lebens und die eigene Existenz nachzudenken. Der Suhrkamp Verlag hat kürzlich einen umfassenden Band mit seinen gesammelten Werken veröffentlicht, der die Breite seines Schaffens dokumentiert und die Bedeutung seines Beitrags zur Literatur unterstreicht.
Mit seinem Tod hinterlässt Cees Nooteboom nicht nur ein beeindruckendes literarisches Werk, sondern auch eine Inspiration für zukünftige Generationen von Schriftstellern und Lesern. Seine unstillbare Neugier und sein Streben nach Erkenntnis werden in seinen Texten weiterleben und zukünftige Leser dazu anregen, die Welt um sich herum mit ähnlicher Offenheit und Staunen wahrzunehmen. Nooteboom wird als ein wahrhaft großer Schriftsteller in Erinnerung bleiben, dessen Werke auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten von Bedeutung sein werden.





