Ein Jahrhundert des Verlegens: Erinnerung an Wolf Jobst Siedler**

Wolf Jobst Siedler, der visionäre Gründer des Siedler Verlags, hätte am 17. Januar 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Sein Lebenswerk und seine bedeutende Rolle in der Verlagswelt sind nach wie vor von großer Relevanz. Jens Dehning, der viele Jahre als Programmleiter für den Siedler Verlag tätig war, hat seine Erinnerungen und Anekdoten über Siedler in einem Beitrag für das Börsenblatt geteilt.

Wolf Jobst Siedler wurde in einer Zeit geboren, als die Verlagslandschaft in Deutschland sich im Umbruch befand. Er wuchs in der Weimarer Republik auf und erlebte die gesellschaftlichen und politischen Turbulenzen, die das Land prägten. Diese Erfahrungen formten nicht nur seine Sicht auf die Welt, sondern auch seine Überzeugung, dass Bücher und Literatur eine zentrale Rolle in der Gesellschaft spielen. Siedler war überzeugt, dass Literatur nicht nur Unterhaltung, sondern auch Bildung und Aufklärung bietet.

Im Jahr 1986 gründete er den Siedler Verlag, der sich schnell einen Namen machte und für seine qualitativ hochwertigen Publikationen bekannt wurde. Der Verlag widmete sich nicht nur der Belletristik, sondern auch der Sachliteratur, insbesondere in den Bereichen Geschichte, Gesellschaft und Wissenschaft. Unter Siedlers Leitung entwickelte sich der Verlag zu einer Plattform für Autoren, die innovative und kritische Perspektiven anboten.

Eine der besonderen Stärken des Siedler Verlags war die Fähigkeit, neue Talente zu entdecken und ihnen eine Bühne zu bieten. Siedler hatte ein feines Gespür für Bücher, die das Potenzial hatten, die Leser zu fesseln und zum Nachdenken anzuregen. Viele Schriftsteller, die heute als bedeutend gelten, fanden im Siedler Verlag ihre ersten Veröffentlichungschancen. Siedlers Engagement für die Literatur war nicht nur geschäftlicher Natur; er sah sich auch als Mentor und Unterstützer seiner Autoren.

Jens Dehning, der als Programmleiter den Verlag maßgeblich mitgestaltete, erinnert sich an die inspirierende Arbeitsatmosphäre, die Siedler geschaffen hatte. Siedler war ein leidenschaftlicher Verleger, der seine Visionen mit großem Enthusiasmus verfolgte. Dehning beschreibt Siedler als einen Menschen, der nie aufhörte zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Seine Neugierde und sein unermüdlicher Einsatz für die Literatur übertrugen sich auf das gesamte Team und schufen eine dynamische und kreative Umgebung.

Ein weiterer Aspekt von Siedlers Erbe ist sein unermüdlicher Einsatz für die Freiheit des Wortes. In einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit oft in Frage gestellt wurde, stellte Siedler sicher, dass der Verlag ein Ort blieb, an dem kontroverse Themen offen diskutiert werden konnten. Er glaubte fest daran, dass es die Aufgabe von Verlagen ist, einen Raum für unterschiedliche Meinungen und Perspektiven zu schaffen. Diese Philosophie prägte nicht nur die Auswahl der veröffentlichten Werke, sondern auch die Art und Weise, wie der Verlag mit seinen Lesern und der Gesellschaft interagierte.

Wolf Jobst Siedler hinterließ nicht nur einen Verlag, sondern auch eine wichtige Tradition des Verlegens in Deutschland. Sein Einfluss und seine Vision werden auch in den kommenden Jahren spürbar bleiben, insbesondere in einer Zeit, in der die Zukunft der Buchbranche immer wieder neu hinterfragt wird. Der Siedler Verlag ist ein lebendiges Zeugnis für Siedlers Überzeugungen und seine Leidenschaft für die Literatur.

Sein 100. Geburtstag im Jahr 2026 wird nicht nur eine Gelegenheit sein, um auf sein Lebenswerk zurückzublicken, sondern auch, um die Werte und die Mission des Verlags zu feiern, die er so leidenschaftlich vorangetrieben hat. Die Erinnerungen von Jens Dehning und die vielen Geschichten, die Siedler geprägt hat, werden weiterhin inspirieren und motivieren, die Bedeutung von Literatur und Verlagsarbeit zu schätzen. Wolf Jobst Siedler wird als eine Schlüsselfigur in der Geschichte des Buchmarktes in Erinnerung bleiben, und sein Erbe wird auch in Zukunft weitergetragen werden.