Im November wurde der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, der aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme ein Jahr lang inhaftiert war, begnadigt. Trotz dieser Begnadigung bleibt sein offizieller Status als verurteilter Straftäter bestehen. In einem aufschlussreichen Interview teilt Sansal seine Gedanken über seinen rechtlichen Status, ein prägendes Erlebnis während seiner Zeit im Gefängnis und seine gegenwärtige Lebenssituation.
Sansal, bekannt für seine kritischen literarischen Werke, hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit den politischen und sozialen Missständen in Algerien auseinandergesetzt. Seine Inhaftierung war eine direkte Folge seines Engagements für Meinungsfreiheit und seine unerschütterliche Haltung gegenüber der herrschenden Regierung. Der Autor sieht sich selbst nicht als Verbrecher, sondern als einen Mann, der für seine Überzeugungen eintritt und dabei die Konsequenzen trägt. In seinem Interview betont er, dass er die Unschuldsvermutung für sich beanspruchen möchte, da er sich nicht für etwas schuldig fühlt, das er nicht getan hat.
Ein besonders prägendes Erlebnis während seiner Zeit im Gefängnis war die Begegnung mit anderen Inhaftierten. Diese Leute, die oft unter ähnlichen Bedingungen litten, teilten ihre Geschichten und Schicksale mit ihm. Diese Gespräche gaben Sansal neue Perspektiven und verstärkten sein Gefühl der Solidarität mit seinen Mitmenschen. Die Enge und die Herausforderungen des Gefängnislebens führten dazu, dass er über das Konzept der Freiheit nachdachte. Dabei erkannte er, dass Freiheit nicht nur ein physischer Zustand ist, sondern auch eine innere Einstellung. Trotz der physischen Einschränkungen fühlte er sich in seinem Geist oft freier als je zuvor.
Die Auseinandersetzung mit anderen Gefangenen und deren Geschichten ließ ihn auch die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes verstehen. Viele seiner Mitinsassen hatten extreme Herausforderungen zu bewältigen, und dennoch bewahrten sie sich einen Funken Hoffnung. Diese Erkenntnis gab ihm Kraft und inspirierte ihn, seine eigenen Ideen in schriftlicher Form zu entwickeln, auch wenn es ihm nicht erlaubt war, Stift und Papier zu benutzen. In seinem Kopf formte er Geschichten und Konzepte, die er später, nach seiner Entlassung, zu Papier bringen wollte.
Nach seiner Begnadigung und der Rückkehr in die Freiheit sieht sich Sansal mit einer neuen Realität konfrontiert. Er hat das Gefühl, dass sich viel verändert hat, während er inhaftiert war. Die politischen Verhältnisse in Algerien sind nach wie vor angespannt, und er ist besorgt über die Richtung, die sein Heimatland einschlägt. Trotz der Herausforderungen ist er entschlossen, seine Stimme zu erheben und für die Werte zu kämpfen, die ihm am Herzen liegen. Er sieht sich nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Bürger und Aktivist, der die Verantwortung hat, sich für die Rechte der Menschen einzusetzen.
Heute ist Sansal bestrebt, seine Erfahrungen in seinen zukünftigen literarischen Werken zu verarbeiten und die Geschichten derjenigen zu erzählen, die keine Stimme haben. Seine Zeit im Gefängnis hat ihn nicht gebrochen, sondern gestärkt. Er plant, seine Erlebnisse und die seiner Mitgefangenen in einem neuen Buch zu verarbeiten, das die Realität des Lebens in einem repressiven Regime beleuchten soll.
Abschließend lässt sich sagen, dass Boualem Sansal trotz der Widrigkeiten, die ihm widerfahren sind, nicht aufgibt. Sein unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Worte und die Bedeutung von Freiheit treibt ihn an. In einer Welt, in der viele unterdrückt werden, bleibt er ein Lichtblick und ein Hoffnungsträger für viele Menschen, die für ihre Rechte kämpfen.




