Erfahrungen und Perspektiven eines Jury-Vorsitzenden beim Bachmann-Preis

Interview mit dem Jury-Vorsitzenden des Bachmann-Preises

Motivation und Faszination der Juryarbeit

Seit 2015 ist er Mitglied der Jury und seit 2024 deren Vorsitzender. Die Tätigkeit bereitet ihm große Freude, da sie ihm ermöglicht, sich intensiv mit aktueller Literatur auseinanderzusetzen. Besonders schätzt er die Nähe zur zeitgenössischen Literatur, die er bei der Veranstaltung in Klagenfurt erlebt. Zudem empfindet er es als bereichernd, wie sich seine eigene literarische Bewertung im Laufe der Diskussionen weiterentwickelt.

Kriterien zur Auswahl der Autorinnen und Autoren

Jeder Juror lädt zwei Schriftsteller ein. Seine Auswahl basiert auf persönlicher Wertschätzung und Respekt gegenüber den Texten der Kandidaten. Zudem spielt die Chance eine Rolle, die Autoren in Klagenfurt erfolgreich zu präsentieren. Als österreichischer Juror zeigt er eine gewisse Präferenz für österreichische Autorinnen und Autoren. Für das Jahr 2026 hat er beispielsweise Wolfgang Popp und Slata Roschal nominiert.

Geschlechterverteilung unter den Teilnehmern

In diesem Jahr treten zehn Frauen und vier Männer an. Dies ist kein Zufall, sondern spiegelt eine Entwicklung wider. Während in den Anfangsjahren des fünfzigjährigen Bachmann-Preises überwiegend Männer ausgezeichnet wurden, hat sich das Verhältnis inzwischen zugunsten der Frauen verschoben. Diese Veränderung entspricht auch den aktuellen Verlagsprogrammen, in denen literarische Debüts überwiegend von Frauen stammen.

Merkmale eines erfolgreichen Wettbewerbs

Entscheidend sind qualitativ hochwertige Texte. Darüber hinaus ist es wichtig, dass innerhalb der Jury eine lebendige Dynamik entsteht, in der unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe und Argumentationsweisen zur Geltung kommen. Ebenso spielt die Resonanz beim Publikum eine wesentliche Rolle.

Bedeutung der Unterstützung eigener Autoren

Die Förderung der eingeladenen Autoren ist in Klagenfurt von großer Bedeutung und bildet die Grundlage des Wettbewerbs. Eine Idee, eine Vorjury zur Vorauswahl einzusetzen, lehnt er strikt ab. Seiner Ansicht nach sollte am bewährten Konzept des Bachmann-Preises möglichst wenig verändert werden.