Herausforderungen bei der Auswahl von Autor:innen
Die Zusammenstellung einer repräsentativen Auswahl verschiedener Literaturgattungen, Jahrgänge und Geschlechter stellte sich als komplexe Aufgabe dar. Einige talentierte Autor:innen hatten über längere Zeit keine Veröffentlichungen mehr vorzuweisen. Es blieb unklar, ob sie tatsächlich aus dem Literaturbetrieb ausgestiegen waren oder unsere Kontaktaufnahme als unerwünscht empfanden. Zudem gestaltete sich die Kontaktaufnahme zu Personen schwierig, deren Websites und Social-Media-Profile bereits deaktiviert waren. Hinzu kam die Problematik, Autor:innen zu erreichen, die den Literaturbetrieb bereits vor längerer Zeit verlassen hatten und daher nicht bekannt waren.
Erfahrungen bei der Kontaktaufnahme
Zur Unterstützung wandten wir uns an Verleger:innen, Lektor:innen sowie Bekannte aus dem literarischen Umfeld. Ein Autor, der seit Jahrzehnten den Strukturen des Literaturbetriebs kritisch gegenüberstand, lehnte eine Teilnahme mit der Begründung ab: „Wie Sie sich denken können, möchte ich damit nichts zu tun haben.“ Eine andere Autorin nannte gesundheitliche Gründe für ihre Abkehr vom Literaturbetrieb. Eine ehemals erfolgreiche Lyrikerin hatte alle Verbindungen abgebrochen und das Land verlassen, während eine weitere Teilnehmerin ihren Beitrag nach kurzer Zeit zurückzog. Trotz dieser Herausforderungen entstand nach und nach eine Textreihe, die den Literaturbetrieb aus vielfältigen Perspektiven beleuchtet.
Teilnahme und Perspektiven der Autor:innen
Für die vier beteiligten Autor:innen bedeutete die Mitwirkung an dieser Textreihe eine bewusste Rückkehr in die Öffentlichkeit, von der sie sich zuvor distanziert hatten. Wir danken Tobias Hülswitt, Ricarda Junge, Kathrin Klingner und Thilo Reffert für ihre offenen und mutigen Beiträge. Diese widersprechen dem vorherrschenden Narrativ der Leistungsgesellschaft und verdeutlichen, dass literarischer Erfolg mehr erfordert als lediglich qualitativ hochwertige Texte.
Zentrale Themen der Ausstiegsgeschichten
- Finanzielle Aspekte spielen in allen Berichten eine wichtige Rolle.
- Die Verantwortung für die eigene Familie, insbesondere für Kinder, wird häufig genannt.
- Kritik an den Strukturen des Literaturbetriebs, die ökonomische Verwertungslogiken über die Qualität der Texte stellen.
Tobias Hülswitt distanzierte sich bereits in den 2010er Jahren vom Literaturbetrieb. Ricarda Junge legte eine fünfzehnjährige Publikationspause ein. Im Zuge der Coronapandemie wechselten Kathrin Klingner und Thilo Reffert ihren Beruf.





















