Margaret Atwoods Leben und Werk: Eine Reise durch acht Jahrzehnte**

Margaret Atwood, vor allem bekannt durch ihren ikonischen Roman „Der Report der Magd“, hat mit ihrem jüngsten Werk „Book of Lives“ einen tiefen Einblick in ihr Leben und Schaffen gegeben. Diese Memoiren sind nicht nur eine chronologische Aufzeichnung ihrer Erlebnisse, sondern zeichnen sich auch durch die Reflexion über ihre innere Entwicklung aus. Atwood, die in den letzten acht Jahrzehnten eine beeindruckende literarische Karriere hingelegt hat, präsentiert hier eine autobiografische Erzählung, die sowohl persönlich als auch universell ist.

Atwoods literarisches Schaffen ist vielseitig und reicht von dystopischen Romanen, die sie als „spekulative Fiktion“ bezeichnet, über Erzählungen und Gedichtbände bis hin zu Essays. Neben „Der Report der Magd“ hat sie mit Werken wie „Die Zeuginnen“ und der MaddAddam-Trilogie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihre Memoiren, die über 750 Seiten umfassen, bieten eine umfassende Erzählung ihrer Lebensgeschichte, in der sie sowohl äußere Ereignisse als auch innere Prozesse beleuchtet.

In diesen Memoiren beschreibt Atwood nicht nur bedeutende Wendepunkte in ihrem Leben, sondern auch alltägliche Erlebnisse, die oft übersehen werden. Ihre detaillierten Erinnerungen an die frühen Jahre ihrer Kindheit sind reich an kleinen, scheinbar unwichtigen Anekdoten, die dennoch viel über ihre Familie und ihre Entstehung als Schriftstellerin verraten. Die Autorin folgt einem strengen chronologischen Ansatz und lässt dabei ihre detaillierten Erinnerungen lebendig werden, die oftmals den Eindruck erwecken, als hätte sie Tagebücher als Hilfe genutzt. Tatsächlich begann sie jedoch erst 1984 mit dem Führen von Tagebüchern, was darauf hindeutet, dass sie auf Fotos, Briefe und Gespräche zurückgegriffen hat, um ihre Erinnerungen aufzufrischen.

Atwood beschreibt ihre Kindheit als eine glückliche Zeit in der Natur, geprägt von einfachen Lebensbedingungen und einer starken Verbundenheit zur Umwelt. Sie erinnert sich an Ausflüge mit ihrem Vater, einem Entomologen, und ihre Faszination für die Natur, die sie ein Leben lang begleitet hat. Diese Liebe zur Natur und zur Tierbeobachtung begleitete sie auch in ihrer späteren Beziehung zu Graeme Gibson, einem Ornithologen, mit dem sie die Welt bereiste und ihre Leidenschaft für Vögel teilte.

In den Memoiren reflektiert Atwood auch über die literarische und kulturelle Szene Kanadas, insbesondere in den 1960er Jahren. Sie betrachtet die Herausforderungen, die Frauen in der Literatur gegenüberstehen, und thematisiert ihre eigenen Erfahrungen mit sexistischen Übergriffen, die sie als Studentin erlebte. Atwoods Schreibstil ist geprägt von einem feinen Humor, der durch ironische Bemerkungen und kritische Reflexionen über das Leben und die Menschen in ihrem Umfeld besticht. Sie beschreibt ihre Bekanntschaften mit anderen Schriftstellern, bleibt jedoch bescheiden und vermeidet es, ihren eigenen Ruhm zu glorifizieren.

Ein zentrales Thema in Atwoods Memoiren ist die Auseinandersetzung mit der Berühmtheit und dem damit verbundenen Druck. Sie reflektiert über die Absurdität der Berühmtheit und wie sie damit umgeht. Gleichzeitig bietet sie Einblicke in ihre kreative Arbeit und erklärt, dass sie keine Schreibblockaden kennt, da für sie ein leeres Blatt Papier eine inspirierende Herausforderung darstellt.

Atwoods Memoiren sind mehr als nur eine persönliche Erzählung; sie sind ein Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen, die sich über die Jahrzehnte hinweg vollzogen haben. Sie reflektiert über Utopien und die Herausforderungen, die mit deren Verwirklichung verbunden sind, und bietet dabei einen kritischen Blick auf Geschlechterverhältnisse und die Rolle der Literatur in der Gesellschaft.

Insgesamt ist „Book of Lives“ nicht nur eine empfehlenswerte Lektüre für Fans von Margaret Atwood, sondern für alle, die sich für die komplexen Verflechtungen von Leben, Literatur und gesellschaftlichen Strömungen interessieren. Es ist ein Werk, das sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt und dabei die Leser auf eine faszinierende Reise durch achtzig Jahre Lebenserfahrung mitnimmt.