Die Schatten der Vergangenheit: Eine Enkelin erkundet die dunklen Kapitel ihrer Familiengeschichte**

In einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte hat Christina Strunck, eine angesehene Kunsthistorikerin, ein bemerkenswertes Buch verfasst, das die Verstrickungen des deutschen Mittelstands im Nationalsozialismus beleuchtet. Strunck, die 1970 geboren wurde und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg lehrt, hat sich nicht nur durch ihre akademischen Leistungen, sondern auch durch ihre Fähigkeit, historische Forschung mit persönlichen Erzählungen zu verknüpfen, einen Namen gemacht.

Strunck hat eine Vielzahl von Themen in ihrer wissenschaftlichen Karriere behandelt, darunter die Bild- und Architekturgeschichte der Frühen Neuzeit sowie die Rolle von Frauen in der Kunst. Ihre Publikationen bieten tiefgreifende Einblicke in die Wechselwirkungen von Kunst, Politik und sozialen Strukturen. Doch ihr neuestes Werk, „Die Aufsteiger“, ist eine andere Art von Projekt, das sich von ihrer bisherigen Forschung abhebt.

In diesem Buch begibt sich Strunck auf eine persönliche Reise, die durch die Entdeckung ihrer Familiengeschichte ausgelöst wurde. Der Auslöser für ihre Nachforschungen war das Lesen von Nora Krugs Bildband „Heimat“, das sie auf die Idee brachte, selbst in die Archive ihrer eigenen Familie zu schauen. Die darin gefundenen Spruchkammerakten öffneten ihr die Augen für die dunklen Kapitel ihrer Familiengeschichte, die sie nie zuvor in dieser Tiefe betrachtet hatte.

Struncks Vorfahren waren im rheinhessischen Sprendlingen ansässig und führten Unternehmen in der Zement- und Weinbranche. Die Autorin untersucht, wie diese bürgerliche Familie im Dritten Reich aufstieg und von den politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten profitierte. Durch akribische Recherche und persönliche Reflexion zeigt sie, wie sich ihre Familie aktiv in das nationalsozialistische Unrechtssystem integrierte. Dabei geht sie nicht nur der Frage nach, wie Individuen von den Bedingungen des NS-Regimes profitierten, sondern auch nach den moralischen Ambivalenzen und dem Opportunismus, der damit einherging.

Strunck verfolgt einen mikrohistorischen Ansatz, der die individuelle Biografie ihrer Familie mit den strukturellen Entwicklungen der Gesellschaft verbindet. Anstatt eine moralische Anklage zu erheben, bietet sie eine analytische Rekonstruktion, die zeigt, wie soziale Mobilität im Nationalsozialismus möglich war und welche langfristigen Auswirkungen dies auf die Erinnerungskultur sowie das Selbstverständnis nachfolgender Generationen hatte.

Das Buch ist weit mehr als eine persönliche Aufarbeitung der Familiengeschichte. Es ist ein bedeutender Beitrag zur aktuellen Diskussion über Verantwortung und die Rolle des Bürgertums im Nationalsozialismus. Strunck beleuchtet eindrücklich, wie individuelle Lebenswege in größere Macht- und Profitsysteme eingebettet waren und sich diesen vorbehaltlos unterordneten. Ihre detaillierte Spurensuche in Archiven und privaten Dokumenten ermöglicht es der Leserschaft, einen umfassenden Blick auf die gesellschaftlichen Mechanismen zu werfen, die solches Handeln begünstigten.

Die Autorin gelingt es, ein lebendiges Gesellschaftsporträt der NS-Zeit zu zeichnen, das exemplarisch für eine „normale“ deutsche Familie steht. Durch ihren persönlichen Zugang zur Geschichte, unterstützt von Fotografien und Dokumenten, hebt sich ihr Buch von anderen Werken zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ab. Strunck analysiert die Verdrängungs- und Schuldfragen ihrer Familie und zeigt auf, wie das lokale Umfeld in Sprendlingen zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie beitrug.

Ein zentrales Anliegen der Autorin ist es, die Leser zur Selbstreflexion anzuregen. Wie konnten gewöhnliche Menschen und Unternehmen zu Tätern oder Mittätern werden? Die sorgfältige Analyse der historischen Details und die Rekonstruktion lokaler Bezüge machen das Buch zu einer anspruchsvollen Lektüre, die intensive Konzentration erfordert. „Die Aufsteiger“ ist nicht nur ein bedeutendes Werk zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, sondern auch ein Musterbeispiel für die Verbindung individueller Biografien mit kollektiven Geschichtsverständnissen.

Struncks Erkenntnisse erweitern den Blick auf die gesellschaftlichen und kulturellen Aufstiegsmechanismen ihrer Familie. Sie zeigt, dass sozialer Aufstieg nicht nur auf wirtschaftlichem Erfolg beruht, sondern auch stark von symbolischem Kapital abhängt. Kunst und Architektur werden als aktive Instrumente der gesellschaftlichen Positionierung betrachtet, die dazu dienten, neue Rangansprüche sichtbar zu machen. Ihre Analyse verdeutlicht, dass gesellschaftlicher Aufstieg auch visuell konstruiert wurde, was die Rolle der Kunst in der Geschichte ihrer Familie unter