Wenn digitale Fluchtwelten auf die Realität treffen – Kurt Prödels „Klapper“ als Spiegel dysfunktio…

Kurt Prödel präsentiert mit seinem Debütroman „Klapper“ eine fesselnde Erzählung über das Erwachsenwerden, die geprägt ist von dysfunktionalen Familienstrukturen, den Verlockungen digitaler Welten und den Herausforderungen zwischenmenschlicher Beziehungen. Der Protagonist, der 15-jährige Thomas, wird von seinen Mitschülern aufgrund seines ungewohnten Wachstums und seiner schüchternen Art nur noch „Klapper“ genannt. Diese Bezeichnung spiegelt seine Rolle als Außenseiter wider und führt dazu, dass er sich zunehmend in die virtuelle Welt der Videospiele zurückzieht, wo Freundschaften nur noch in digitaler Form existieren.

Das Geschehen nimmt eine Wendung, als zu Beginn eines neuen Schuljahres ein unkonventionelles Mädchen namens Bär in die Klasse kommt. Sie ist eine burschikose Sitzenbleiberin, die sich selbstbewusst neben Klapper setzt. Diese Begegnung stellt für ihn eine Herausforderung dar, da seine sozialen Ängste und Komplexe ihn daran hindern, offen zu kommunizieren. Doch als sie herausfinden, dass sie eine gemeinsame Leidenschaft für Ballerspiele haben, beginnt sich das Eis zwischen ihnen zu brechen. Klapper, zunächst zögerlich, erkennt in Bär eine Verbindung, die ihm zuvor fehlte. Ihre Gespräche über Videospiele und die gemeinsame Arbeit an einer digitalen Karte für Counter-Strike sind der Startpunkt einer Beziehung, die vielversprechend erscheint, jedoch nur von kurzer Dauer ist.

Prödel, der in Köln geboren wurde und bereits in verschiedenen kreativen Bereichen aktiv ist, verleiht dieser Freundschaft in seinem Roman eine berührende Tiefe. „Klapper“ ist mehr als nur eine Geschichte über das Aufeinandertreffen zweier Charaktere; es ist eine vielschichtige Erzählung, die auf zwei Zeitebenen spielt. Die erste Ebene schildert die kurze, aber prägende Freundschaft zwischen Klapper und Bär, während die zweite 14 Jahre später angesiedelt ist, als Klapper bereits als IT-Experte arbeitet und ein einsames Leben führt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters hat er sich nicht von seiner Vergangenheit lösen können und bleibt ein Außenseiter – sowohl in seinem sozialen Umfeld als auch in seiner inneren Welt.

Die Rückkehr zu seinen Wurzeln geschieht, als Klapper auf den alten Counter-Strike-Account von Bär stößt, der seit vielen Jahren inaktiv ist. Dieses Wiedersehen mit der Vergangenheit konfrontiert ihn mit seinen Erinnerungen an die Freundschaft, die ihm viel bedeutet hat. Der melancholische Moment wird von Prödel meisterhaft eingefangen, als Klapper erkennt, dass er immer noch an der Verbindung zu Bär hängt, obwohl die Zeit sie getrennt hat.

In „Klapper“ beleuchtet Prödel nicht nur die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern auch die komplexen Familienverhältnisse, die sie geprägt haben. Klapper lebt in einem von Konflikten und emotionaler Kälte geprägten Elternhaus. Seine depressive Mutter und der neidische Vater schaffen eine Atmosphäre, die ihn in seiner Entwicklung stark hemmt. Im Gegensatz dazu scheint Bär aus einer chaotischen, aber lebendigen Familie zu kommen, die auf den ersten Blick als ideal erscheint. Doch auch hier gibt es dunkle Schatten: Bär ist in ihrer Rolle als Ersatzmutter für ihre Geschwister überfordert, was zu ihren Stimmungsschwankungen und Konflikten führt. Diese Einsicht bleibt Klapper jedoch verborgen und zeigt, wie leicht man die Probleme anderer Menschen übersehen kann.

Prödels Roman ist eine gelungene Kombination aus Humor und Ernsthaftigkeit, die durch die skurrilen Wahrnehmungen seiner Charaktere verstärkt wird. Für Klapper ist ein aufgeräumtes Zimmer gleich einem „frisch formatierten“ Computer, und in den Augen von Bär wird er als jemand wahrgenommen, der mit einem Ladebalken über dem Kopf gefangen ist. Diese bildhaften Beschreibungen machen die Charaktere greifbar und verleihen der Erzählung eine zusätzliche Dimension.

Mit „Klapper“ hat Kurt Prödel ein bemerkenswertes Debüt abgeliefert, das nicht nur die Herausforderungen des Erwachsenwerdens thematisiert, sondern auch die Bedeutung von Freundschaft und der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Der Roman ermutigt dazu, über die eigenen Beziehungen nachzudenken und zeigt, dass die digitale Welt zwar Trost bieten kann, jedoch die menschliche Verbindung nicht ersetzen kann.