In einem eindringlichen Kommentar in der Süddeutschen Zeitung äußert Marie Schmidt ihre Besorgnis über einen besorgniserregenden Trend: Die Menschen scheinen immer weniger Interesse daran zu haben, Bücher zu lesen und zu besitzen. Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich im Buchhandel, wo ein Umsatzrückgang im Jahr 2025 prognostiziert wird. Schmidt argumentiert, dass dieser Rückgang nicht als bloßes wirtschaftliches Phänomen abgetan werden kann. Vielmehr ist er ein Zeichen dafür, dass die Bereitschaft, sich intensiv mit den Gedanken und Ideen anderer Menschen auseinanderzusetzen, abnimmt.
Die Abnahme des Interesses an Büchern ist nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern hat auch weitreichende gesellschaftliche Implikationen. Bücher sind nicht nur Informationsquellen, sondern auch Träger von Kultur, Wissen und verschiedenen Perspektiven. Sie fördern das kritische Denken und die Empathie, indem sie uns in die Gedankenwelt anderer Menschen eintauchen lassen. Die Fähigkeit, sich in die Ideen und Emotionen anderer hineinzuversetzen, ist eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes und respektvolles Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft.
Schmidt weist darauf hin, dass der Rückgang der Buchverkäufe auch mit den veränderten Lesegewohnheiten und der zunehmenden Ablenkung durch digitale Medien zusammenhängt. Während das Internet und soziale Medien in der heutigen Zeit allgegenwärtig sind, besteht die Gefahr, dass die Menschen sich in einer Flut von Informationen verlieren und die tiefere Auseinandersetzung mit Inhalten vernachlässigen. Schnelle, oberflächliche Informationen ersetzen zunehmend die intensive Beschäftigung mit komplexen Themen, die oft in Büchern behandelt werden.
Ein weiterer Aspekt, den Schmidt anspricht, ist die kulturelle Bedeutung des Lesens. In einer Zeit, in der viele Menschen durch Zeitdruck und hektische Lebensstile geprägt sind, wird das Lesen oft als Luxus betrachtet, den sich nur wenige leisten können oder wollen. Die Freizeitgestaltung verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum, wo Streaming-Dienste und Kurzformate dominieren. Diese Veränderungen könnten dazu führen, dass das Lesen von Büchern als etwas Altmodisches oder Unzeitgemäßes wahrgenommen wird.
Die Autorin ruft dazu auf, diesen Trend ernst zu nehmen und aktiv gegensteuern zu wollen. Sie plädiert dafür, das Lesen wieder in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens zu rücken. Schulen, Bibliotheken, Verlage und auch Eltern haben eine Verantwortung, das Interesse an Büchern zu fördern und den Zugang zu Literatur zu erleichtern. Veranstaltungen wie Lesenächte, Buchmessen oder Autorenlesungen könnten dazu beitragen, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und das Bewusstsein für die Bedeutung von Literatur zu schärfen.
Darüber hinaus sind innovative Ansätze gefragt, um das Lesen zeitgemäß und attraktiv zu gestalten. Beispielsweise könnten Buchclubs oder Online-Plattformen, die das gemeinsame Lesen und Diskutieren von Büchern ermöglichen, dazu beitragen, das Interesse an Literatur zu wecken. Auch die Verknüpfung von digitalen Medien mit literarischen Inhalten könnte neue Zielgruppen erschließen und das Lesen als Teil eines modernen Lebensstils etablieren.
Schmidt betont, dass die Herausforderungen, vor denen der Buchhandel steht, nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Vielmehr handelt es sich um ein gesellschaftliches Phänomen, das alle betrifft. Wenn wir die Fähigkeit verlieren, uns mit den Gedanken und Ideen anderer auseinanderzusetzen, gefährden wir nicht nur die kulturelle Vielfalt, sondern auch unsere eigene Fähigkeit zur Reflexion und zum kritischen Denken.
Insgesamt ist der Rückgang im Buchhandel ein Alarmzeichen, das uns dazu anregen sollte, über unsere Lesegewohnheiten und unsere Beziehung zur Literatur nachzudenken. Es liegt an uns, das Interesse am Lesen zu revitalisieren und Bücher wieder zu einem zentralen Bestandteil unseres Lebens zu machen. Nur so können wir die kulturelle Identität und den Austausch von Ideen, die Bücher ermöglichen, bewahren und fördern.





