Die Internationale Jugendbibliothek plant vom 26. bis 28. Februar 2026 eine bedeutende Tagung, die sich intensiv mit dem Leben und Werk des renommierten Schriftstellers Erich Kästner in der Zeit zwischen 1933 und 1945 auseinandersetzt. Diese Veranstaltung wird einen tiefen Einblick in die komplexe Beziehung Kästners zum Nationalsozialismus bieten und dabei die Spannungsfelder zwischen Anpassung und Widerstand beleuchten.
Erich Kästner, geboren 1899 in Dresden, war nicht nur ein berühmter Kinderbuchautor, sondern auch ein scharfsinniger Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. Seine Werke, darunter Klassiker wie „Emil und die Detektive“ und „Das fliegende Klassenzimmer“, sind bis heute in der Kinder- und Jugendliteratur von großer Bedeutung. Doch wie verhielt sich Kästner in den turbulenten Jahren des Nationalsozialismus, als das politische Klima in Deutschland von Repression und Angst geprägt war? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Tagung, die das Ziel verfolgt, nicht nur die literarischen Beiträge Kästners zu würdigen, sondern auch seine politischen Positionen und persönlichen Entscheidungen in dieser schweren Zeit zu analysieren.
Die Tagung wird verschiedene Aspekte von Kästners Leben beleuchten. Zum einen wird erörtert, wie der Autor auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten reagierte und welche Maßnahmen er ergriff, um seine Stimme in einer zunehmend repressiven Gesellschaft zu bewahren. Während er in den 1920er Jahren als Teil der Weimarer Republik eine beachtliche literarische Karriere aufbaute, sah er sich mit dem Aufstieg des NS-Regimes einer neuen Realität gegenüber. Kästner war ein überzeugter Demokrat und Kritiker der politischen Verhältnisse, was ihn in Konflikt mit dem neuen Regime brachte.
Ein zentraler Punkt der Tagung wird die Frage sein, inwieweit Kästner in den Jahren des Nationalsozialismus Anpassung an die herrschenden Verhältnisse zeigte oder sich aktiv gegen diese stellte. Auf der einen Seite musste er sich dem Druck des Regimes beugen, um seine literarische Karriere fortzusetzen. Auf der anderen Seite war er bereit, seine Überzeugungen offen zu vertreten, was ihn zu einem der wenigen Schriftsteller machte, die sich gegen die Zensur und die Unterdrückung von Meinungsfreiheit zur Wehr setzten.
Zusätzlich zur Analyse von Kästners literarischem Werk wird die Tagung auch aktuelle Forschungsergebnisse und Perspektiven zu seiner biografischen Entwicklung präsentieren. Wissenschaftler und Literaturhistoriker werden eingeladen, ihre Erkenntnisse zu teilen und in Diskussionen zu treten, um ein umfassenderes Bild von Kästners Rolle in dieser entscheidenden Phase der deutschen Geschichte zu zeichnen. Die Veranstaltung bietet somit eine Plattform für den Austausch von Ideen und die Reflexion über die Verantwortung von Autoren in Zeiten politischer Krisen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Konferenz wird der Einfluss von Kästners Erfahrungen auf seine späteren Werke sein. Viele seiner Texte, verfasst nach dem Zweiten Weltkrieg, tragen die Spuren seiner Auseinandersetzung mit den Themen Krieg, Frieden und die Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft. Die Tagung wird untersuchen, wie die Erlebnisse und Herausforderungen in den Jahren 1933 bis 1945 seine späteren literarischen Werke prägten und welche Botschaften er der nachfolgenden Generation vermitteln wollte.
Zusammenfassend bietet die Tagung der Internationalen Jugendbibliothek eine wertvolle Gelegenheit, sich mit den vielschichtigen Facetten von Erich Kästners Leben und Werk auseinanderzusetzen. Diese Veranstaltung wird nicht nur die literarische Bedeutung Kästners hervorheben, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen beleuchten, mit denen er konfrontiert war. Die Tagung verspricht, eine anregende Diskussion zu fördern und ein tieferes Verständnis für die Rolle von Schriftstellern in Krisenzeiten zu entwickeln.
Zusätzliche Informationen zur Tagung und zur Anmeldung sind im Börsenblatt erhältlich, wo auch weitere Details zu den Referenten und dem Programm veröffentlicht werden.





