In der Welt der Literaturwissenschaft hat Wilfried Ihrig erneut einen bedeutenden Beitrag geleistet. Sein neuer Band mit Aufsätzen, betitelt „Fundsachen 2. Aufsätze zur modernen Literatur“, bringt frische und tiefgründige Einblicke in das Werk verschiedener Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese Sammlung, die im Verlag epubli in Berlin erschienen ist, beleuchtet sowohl bekannte als auch weniger beachtete literarische Figuren und deren Werke.
Ihrigs Aufsatzsammlung ist nicht nur eine Fortsetzung seiner bisherigen Arbeiten, sondern auch eine Erweiterung des Horizonts der Literaturkritik. In den vorherigen Bänden widmete sich Ihrig unter anderem großen Autoren wie Paul Celan und Friedrich Wilhelm Wagner. In diesem neuen Werk jedoch konzentriert er sich auf moderne Schriftsteller, die von Georg Büchner bis hin zu Ernst Jandl reichen. Dies zeigt, dass Ihrig ein besonderes Interesse daran hat, die literarische Landschaft Deutschlands und darüber hinaus zu erkunden und zu dokumentieren.
Ein herausragender Aufsatz in dieser Sammlung untersucht die frühen Inszenierungen von Büchners „Dantons Tod“ an den Berliner Volksbühnen im Januar 1902. Bislang war die Forschung der Ansicht, dass es lediglich eine Inszenierung gegeben habe, die von zwei Regisseuren realisiert wurde. Ihrig hingegen präsentiert neue, zuvor unbekannte Materialien, die belegen, dass tatsächlich zwei unterschiedliche Bearbeitungen des Werkes auf die Bühne gebracht wurden. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven auf Büchners Einfluss und die Rezeption seines Werkes zu dieser Zeit.
Ein weiterer interessanter Beitrag in dem Band widmet sich dem Kabarettisten und Dichter Danny Gürtler. Ihrig erzählt hier die wenig bekannte Geschichte eines gescheiterten Versuchs, ein Denkmal für Heinrich Heine zu stiften. Trotz Gürtlers Bekanntheit fand sein Vorhaben keine Unterstützung. Diese Episode verdeutlicht nicht nur die Schwierigkeiten, die Künstler oft im Umgang mit ihrem Erbe haben, sondern wirft auch Fragen zur Wertschätzung literarischer Figuren auf.
Ein weiterer thematischer Block der Sammlung widmet sich vergessenen Werken, die in der Literaturgeschichte bislang nicht ausreichend gewürdigt wurden. Hierzu zählt ein Text von B. Traven, der während des Ersten Weltkriegs in einer nicht-digitalisierten Berliner Tageszeitung veröffentlicht wurde. Außerdem behandelt Ihrig die Texte von Hugo Kersten, die während seines Exils in Zürich verfasst wurden, jedoch in der bedeutenden Textsammlung „Impertinenter Expressionismus“ von 1980 fehlen. Zudem wird eine der letzten Veröffentlichungen von Albert Ehrenstein, ebenfalls im Zürcher Exil, thematisiert. Diese Aufsätze tragen dazu bei, die literarische Vielfalt und die oft übersehenen Stimmen der Zeit zu beleuchten.
Ein besonders kreativer Aufsatz reflektiert das Bild von Django Reinhardt in der internationalen Lyrik. Ihrig analysiert Gedichte aus der DDR, der BRD, sowie aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Österreich, die sich mit Reinhardt auseinandersetzen. Diese interkulturelle Betrachtung zeigt, wie eine Figur aus der Musikszene in der Lyrik verschiedener Länder dargestellt wird und welche Bedeutung sie über nationale Grenzen hinweg erlangt hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wilfried Ihrigs „Fundsachen 2. Aufsätze zur modernen Literatur“ eine wertvolle Bereicherung für die literaturwissenschaftliche Diskussion darstellt. Die Sammlung ist nicht nur ein Fundus an neuen Informationen und Perspektiven, sondern auch eine Einladung, die literarische Vergangenheit mit einem frischen Blick zu betrachten. Leser und Wissenschaftler werden ermutigt, sich mit diesen vergessenen und wenig beachteten Aspekten der Literatur auseinanderzusetzen und sie in den Kontext der modernen Literaturgeschichte einzuordnen. Der Band ist ein Muss für alle, die sich für die Entwicklung der Literatur und die vielfältigen Stimmen, die sie geprägt haben, interessieren.





