Die Zikade entschlüpft ihrer Hülle Ein vielschichtiger Netzwerkroman über Gewalt Traumata und Sprache

Jurybegründung zum Romandebüt „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“

Die Jury beschreibt das Debütwerk als ein außergewöhnliches literarisches Projekt, das weit über die äußere Form eines Buches hinausgeht. Der Titel des Romans verweist bereits darauf: Das Buch selbst fungiert als eine Art Kokon, aus dem ein komplexes, vielschichtiges Werk hervorgeht. Es handelt sich um einen motivisch strukturierten Netzwerk- und Systemroman, der sich durch einen ausgeprägten Formwillen auszeichnet.

Gewalt und Traumata werden nicht nur in einem historischen Kontext verankert, sondern erscheinen auch als in Körpern, Nahrungsmitteln und Gegenständen gespeicherte Erfahrungen. Dieses Erstlingswerk, das auf mehr als 600 Seiten angelegt ist, erfüllt sämtliche Erwartungen an ein bedeutendes literarisches Werk. Es integriert verschiedene Erzählformen, Stile und Stimmen und verknüpft mehrere Handlungsstränge miteinander.

Darüber hinaus behandelt der Roman zahlreiche relevante Themen und verbindet dabei unterschiedliche Sprachen, darunter Russisch, Deutsch und Ukrainisch. Die Bildsprache ist kraftvoll, und die von der Autorin entworfenen Embleme sowie Piktogramme dienen als Verstärker der sachlichen Darstellung.

Zusammensetzung der Jury

  • Hauke Hückstädt, Fachkurator Literatur der Jürgen Ponto-Stiftung
  • Daniela Strigl, österreichische Literaturkritikerin
  • Miriam Zeh, Redakteurin bei Deutschlandfunk