Die Schicksale von Milly und Philip: Ein Blick in die Abgründe des Lebens**

Christine Dwyer Hickeys Roman „Alle unsere Leben“ ist ein eindringliches Porträt der Herausforderungen und Härten, die das Leben für Menschen bereithält, die am Rande der Gesellschaft stehen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Hauptfiguren, Milly und Philip, deren Lebenswege sich über mehrere Jahrzehnte kreuzen, während sie versuchen, sich in einer Welt voller Widrigkeiten und Rückschläge zurechtzufinden.

Die Handlung beginnt im Jahr 1979, als die junge Milly, eine aus einfachen Verhältnissen stammende Frau, einen Job in einer Londoner Bar antritt. Hier begegnet sie einem Boxer namens Philip, der ihr Interesse weckt. Jahrzehnte später, im April 2017, wird Philip aus dem Krankenhaus entlassen und erwartet von seinem Bruder, bei dem er wohnt, abgeholt zu werden. Doch als dieser ihn im Stich lässt, wird Philip mit den Herausforderungen des Lebens allein konfrontiert.

Milly und Philip sind beide Außenseiter, die in ihrem Leben mit schwerwiegenden Schicksalsschlägen kämpfen. Die Erzählung von Milly umfasst den Zeitraum von 1979 bis Ende 2017, während Philip’s Geschichte sich auf die Monate von März bis Dezember 2017 konzentriert. Als Milly schwanger wird, wird sie von der Besitzerin der Bar, Mrs. Oak, entlassen und muss in ein Wöchnerinnenheim ziehen. Dort wird sie von einer Nonne überzeugt, ihre Tochter zur Adoption freizugeben, was einen tiefen Einschnitt in ihr Leben darstellt.

Zwei Jahre später kehrt Philip, der Boxer, unerwartet in die Bar zurück und lädt Milly zu einer Musikveranstaltung ein. Während dieses kurzen Treffens offenbart er, dass er eine Freundin hat, von der er sich jedoch bald trennen möchte. Philip verspricht, sich nach einem Boxkampf in zwei Wochen bei ihr zu melden, doch es vergehen anderthalb Jahre, bevor sie sich wiedersehen. Philip erscheint mit einem Kind in der Bar, was sowohl für Milly als auch für ihn eine neue Wendung in ihrem Leben bedeutet.

Im Jahr 1995 entwickelt sich eine intime Beziehung zwischen Milly und einem Bauunternehmer, den sie in der Bar trifft. Diese Beziehung bringt Milly Hoffnung, aber auch neue Herausforderungen mit sich. Vier Jahre später bringt sie die Baupläne des Viertels, in dem sich die Bar befindet, an einen Grundstücksinhaber, der in Dublin lebt. Zu diesem Zeitpunkt ist Philip im Gefängnis, und Milly entscheidet sich, auf ihn zu warten. Doch die Realität bleibt gnadenlos, und Jahre später erfährt Milly von ihrem Ehemann Matthew, dass er in Konkurs gegangen ist und sich abgesetzt hat.

Die Geschichte verlagert sich allmählich auf die Herausforderungen, die Philip und Milly in den späten 2000er Jahren zu bewältigen haben. Philip, der mit den Nachwirkungen seiner Sucht kämpft, nimmt an den Meetings der Anonymen Alkoholiker teil. Sein Bruder, der ihn finanziell unterstützt hat, gerät in Schwierigkeiten und muss seine Einnahmequelle, die Vermietung von Zimmern an Touristen, einstellen. Diese Situation bringt Philip in eine prekäre Lage, da er sich keine eigene Wohnung leisten kann.

Ein unerwarteter Brand in einem Hochhaus in der Nähe verstört Philip und führt zu einem emotionalen Rückschlag. In der Folge sieht er sich gezwungen, in ein altes, leerstehendes Gebäude einzubrechen, in dem einst sein Boxclub war. Diese Entscheidung führt zu einem heftigen Streit mit seinem Bruder, der ihn nicht mehr bei sich wohnen lassen kann. In der Dunkelheit der Nacht bemerkt Philip, dass das Licht im Haus gegenüber brennt – dort wohnt Milly.

Die beiden begegnen sich erneut und beginnen, ihre Lebensgeschichten zu teilen, was zu einer intensiven, aber auch konfliktreichen Beziehung führt. Vor dem Hintergrund ihrer Vergangenheit und den Herausforderungen, die das Leben ihnen auferlegt, entwickeln Milly und Philip eine besondere Verbindung. Doch die Geister ihrer Vergangenheit und ihre gegenwärtigen Kämpfe belasten ihre Beziehung.

„Alle unsere Leben“ ist nicht nur ein Roman über Verlust und Entbehrung, sondern auch über die Suche nach Zugehörigkeit und Hoffnung. Hickey beschreibt eindrucksvoll die inneren Kämpfe ihrer Protagonisten und die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf ihr Leben. Die detaillierten Schilderungen ihrer Spaziergänge und Erinnerungen tragen zur Tiefe der Charaktere bei, auch wenn sie manchmal die Handlung nicht direkt vorantreiben. Letztendlich überrascht die Geschichte mit einer unerwarteten Wendung, die die Lebenswege von Milly und Philip in ein neues Licht rückt.