Frühe Bildungsungleichheiten und die Bedeutung der Leseförderung
Bundesbildungsministerin Karin Prien hat kürzlich einen wichtigen Punkt hervorgehoben, den die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) teilt: Die Bildungsschere entsteht nicht erst während der Schulzeit, sondern bereits vor der Einschulung. Tatsächlich sei die Schere bei der Geburt noch geschlossen und öffne sich bis zum Schuleintritt. Danach werde sie nur noch marginal geschlossen. Diese Erkenntnis ist wissenschaftlich fundiert. Vor diesem Hintergrund kritisiert die avj die Entscheidung, das Programm „Lesestart 1–2–3“ einzustellen, da es genau an diesem entscheidenden Punkt ansetzt.
Wirkung und Bedeutung von „Lesestart 1–2–3“
Die avj, als Dachverband der deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchverlage, bewertet die Einstellung des Programms als ein negatives Signal. Der kürzlich veröffentlichte Bildungsbericht der Bundesregierung bestätigt erneut, dass Bildungsungleichheiten früh verankert sind. Chancengerechtigkeit, Integration und Demokratieförderung beginnen nicht erst mit dem Schulbesuch, sondern viel früher – insbesondere durch Sprache und Lesen.
Das Programm „Lesestart 1–2–3“ hat bundesweit Wirkung gezeigt, indem es Familien mit kleinen Kindern in Kinderarztpraxen niedrigschwellig mit Büchern versorgt hat. Dadurch wurden gerade jene Familien erreicht, die sonst nur schwer Zugang zu Büchern und frühkindlicher Leseförderung finden.
Appell für eine nachhaltige Leseförderung
Vor diesem Hintergrund fordert die avj, die Einstellung von „Lesestart 1–2–3“ zu überdenken. Es sei notwendig, gemeinsam mit allen relevanten Akteuren tragfähige Konzepte für eine bundesweite, frühzeitige Leseförderung zu entwickeln und langfristig zu implementieren. Deutschland benötige entschlossenes politisches Handeln sowie verlässliche finanzielle Ressourcen, um Lesekompetenz nachhaltig zu stärken.
- Mehr Investitionen in frühe Leseförderung sind unerlässlich.
- Eine Reduzierung der Mittel könnte langfristig zu höheren gesellschaftlichen Kosten führen.
- Das Potenzial einer ganzen Generation darf nicht verschenkt werden.
Gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten
Die avj betont, dass die Herausforderungen der Leseförderung nicht von einzelnen Institutionen oder Sektoren allein bewältigt werden können. Vielmehr müssen Bund, Länder, Kommunen, Bibliotheken, Buchhandlungen, Verlage, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Kinder in Deutschland dürfen nicht die Leidtragenden kurzfristiger Sparmaßnahmen sein.
Die avj und ihre Mitgliedsverlage bieten ihre Erfahrung, Expertise und ihr Engagement an, um diesen Prozess konstruktiv zu begleiten. Sie laden die politischen und administrativen Entscheidungsträger ausdrücklich zum Dialog ein, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, wie die Leseförderung fortgeführt und ausgebaut werden kann.




















