von Earl Derr Biggers
Illustriert von James H. Crank
Zuerst veröffentlicht in The Saturday Evening Post, 23. April 1927
„Du lügst, Hilary“, sagte die Frau im Liegestuhl. Sie sah sehr hübsch aus, aber ein bisschen müde im Licht der sterbenden Sonne. Hinter einer juwelenbesetzten Hand unterdrückte sie ein kleines Gähnen. „Du weißt, dass du lügst.“
„Meine liebe Isabelle, ist das nicht etwas ungerecht?“ Der große, gut aussehende Mann stand mit dem Rücken zur Reling und hatte die Hände tief in die Taschen seines Tweedmantels gesteckt. Sein dünnes, hübsches Gesicht war ruhig; obwohl er auf das blassgoldene Haar und die violetten Augen einer berühmten Schönheit hinunterstarrte, wirkte er ungerührt.
Eine berühmte Schönheit, ja, dachte er, aber eine Schönheit, die ihre Mittagszeit hinter sich hat. Schade, dass auch die schönsten Blumen verblühen müssen.
„Unfair? Ich denke nicht“, antwortete die Frau. „Du warst schon immer ein Lügner – das sehe ich jetzt ein. Diese wunderbare Zeit in Mentone?“
Der Mann zuckte mit den Schultern. „Warum nach Mentone zurückkehren?“
„Warum nicht? Ich habe dir damals geglaubt, weil ich glauben wollte. Aber jetzt weiß ich, dass du gesagt hast, es gäbe keine andere Möglichkeit.
„Isabelle!“ Er kniete sich neben ihren Stuhl, aber sie blickte weg, das Deck hinunter, zu einem Mann mittleren Alters, der an der Reling stand, müßig sein Monokel über die Seite schwenkte und dorthin starrte, wo die Sonne in ein Meer eintauchte, das so rot war wie sein eigener Teint. „Isabelle, wenn wir schon nach Mentone zurückkehren müssen, dann lass uns zu dem Glück jener Wochen zurückkehren – dem Duft der Rosen, dem blassen Mond am sternenübersäten Himmel, den warmen Nächten auf der Terrasse.“